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Kurzgeschichten I

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Kurzgeschichten I




05.02.2008 20:14:59 | 0 Kommentare | 708 Hits | melden!
            

In einer völlig verzweifelten und überaus unkreativen Phase habe ich mich dazu entschieden, Kurzgeschichten zu verfassen. Die Schreibblockade lässt grüssen. Wenn ich ein Autor wäre, der finanziell auf seine Arbeiten angewiesen ist, wäre ich mittlerweile schon etwa drei Mal pleite gegangen, hätte Privatkonkurs anmelden müssen und weiss der Geier was noch alles.

Wie dem auch sei: Hier etwas aus meinem Ordner, liebevoll auch "die Grube" genannt. Viel Spass damit!

In einem Strassenkaffe an einer Kreuzung sassen sich an einem Tisch beim Fenster zwei Männer gegenüber. Es war spät am Abend als sie sich trafen, die meisten Gäste waren schon gegangen. Eine der Neonröhren flackerte über ihrem Tisch.Die beiden Männer, sie mochten Ende dreissig sein, trugen schwarze Anzüge. Der eine ein hellblaues Hemd mit einer gelben Krawatte, der andere ein rotes Hemd mit schwarzer Krawatte. Beide waren sehr gepflegt, der Mann mit dem roten Hemd trug einen Dreitagebart. Sie schwiegen.   

„Dieses Geflacker nervt mich“, sagte der Mann im roten Hemd plötzlich.  

„Ja. Ich kann Neonlicht nicht ausstehen“, sagte der andere im hellblauen Hemd.  

„Es wirkt so kalt.“  

„Wie in einem Badezimmer.“

Dann schwiegen sie wieder. Der Mann im hellblauen Hemd trank seinen Whisky aus. „Nimmst du auch noch einen?“, fragte er nach einer Weile.  

„Ja, noch einen doppelten.“  

„Wieso bestellt man eigentlich immer einen doppelten?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd, als er der Bedienung ein Zeichen mit der Hand gab.  

„Tja, also... ich weiss nicht“, erwiderte der Mann im roten Hemd.  

„Ich meine in allen Filmen und Büchern ist es so. Ein Mann kommt in eine Bar und bestellt sich einen doppelten. Warum eigentlich? Würde mich echt mal interessieren.“

Der Mann im roten Hemd überlegte eine Weile. „Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ein einfacher einfach zu schnell weg ist?“  

„Glaube ich nicht. Dann bestellt man sich halt eben einen neuen.“  

„Aber wenn eine Bar gerammelt voll ist, will man sich vielleicht nicht alle zehn verdammten Minuten zum Barkeeper durchkämpfen.“  

„Aber dieses Strassenkaffee hier ist leer, abgesehen vom Personal und dem Typen mit der Frau da drüben.“  

„Tja...“

Die Bedienung stellte zwei Gläser Whisky auf den Tisch und nahm die leeren wieder mit.  

„Ist dir mal aufgefallen, dass alle tragischen Gestalten einen doppelten nehmen, wenn sie sich zuschütten wollen?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd, als er sich zurücklehnte und sich eine Zigarette anzündete.  

„Ich könnte mich nie mit Whisky zuschütten“, sagte der Mann im roten Hemd, „das wäre nicht gut für mein Magengeschwür. Aber vielleicht machen das echte Kerle halt eben so. In eine Bar gehen, einen doppelten bestellen und das wär’s.“  

„Vielleicht. Ja, vielleicht hat es auch etwas mit der Männlichkeit zu tun“, sagte der Mann im hellblauen Hemd und blies hellblauen Rauch in die Luft.  

„Was soll das mit Männlichkeit zu tun haben? Bin ich nicht männlich, bloss weil ich ein Magengeschwür habe und deshalb nicht so viel Whisky trinken sollte?“  

„Ich sagte, in den Büchern und in den Filmen ist das so. Nein, du wirkst sehr männlich mit deinem Dreitagebart. Ich meine, ein Typ kommt in eine Bar, bestellt sich einen doppelten und sagt das so laut, dass alle herumstehenden Personen ihn hören können. Wahrscheinlich damit sie denken, dass der Typ ein echter Mann ist.“  

„Gib mir mal eine Zigarette rüber“, sagte der Mann im roten Hemd und nahm eine aus dem Päckchen, dass ihm der andere hinhielt. Er zündete sie sich an und sog genüsslich daran.  

„Genau! Genau das meine ich! Das ist doch ein gottverdammtes Klischee, das wir hier leben. Whisky und Zigaretten!“, sagte der Mann im hellblauen Hemd etwas lauter.  

„Was soll daran falsch sein? Whisky und Zigaretten gehören zusammen wie... wie... ein Ire mit einer Fiedel“, sagte der Mann im roten Hemd.  

„Ja, aber deswegen rennt nicht jeder Ire mit einer gottverdammten Fiedel in der Gegend rum, bloss weil es das Klischee so will!“, ereiferte sich der Mann im hellblauen Hemd.  

„Warum regst du dich so über Klischees auf? Meine Güte, diese Kombination passt doch prima zusammen.“  

„Verdammt, es geht mir ums Prinzip! Jeder der uns sieht, denkt sich sicher, dass wir zwei Hurensöhne mit einem verdammten Klischeekomplex sind!“

Der Mann im roten Hemd blickte sich schnell um und bemerkte, dass die Bedienung ihnen nervöse Blicke zuwarf. „Du solltest nicht so laut sprechen. Ich glaube, die mögen das hier nicht besonders“, sagte er beschwichtigend.  

„Ich spreche so laut wie ich will!“  

„Meine Güte, was ist denn heute mit dir los?“  

„Ich habe einfach ein verdammtes Problem damit, einen doppelten Whisky zu saufen und dabei eine Zigarette zu rauchen. Diese Klischeekacke geht mir einfach auf den Wecker!“  

„Ja, aber hör mal...“

„Und warum darf ich in einem Pub so laut sprechen wie ich will, bloss in einem Strassenkaffee nicht? Weil das Klischee es so verlangt!“

„Du trinkst doch deinen Whisky trotzdem und rauchst dazu eine Zigarette. Ich weiss nicht genau, auf was du hinauswillst.“  

„Es geht mir ums Prinzip!“, ärgerte sich der Mann im hellblauen Hemd weiter.  

„Dann will ich dir mal etwas sagen: Man trinkt einen Whisky und raucht dazu prinzipiell eine Zigarette oder eine Zigarre oder was man auch immer dazu reichen will. Klingt das für dich etwas besser?“  

„Nein, weil das hier ein Klischee ist und Klischees schon rein aus Prinzip abgeschafft werden sollten! Klischees machen alles langweilig!“  

„Prinzipien und Klischees... ha!“  

„Ich meine, man sieht sich einen Film an, in dem ein Typ in eine Bar geht und was bestellt dieser Hurensohn? Einen doppelten Whisky! Und hinter dem Barkeeper ist die ganze verdammte Wand mit diversen Flaschen vollgepappt, von Wodka über Wein bis hin zu Dingen, die man aus irgendwelchen tropischen Früchten gepresst hat! Aber nein, Herr Hurensohn bestellt sich einen doppelten Whisky!“  

„So gesehen hast du Recht. Aber deswegen sind wir beide aber noch lange keine Hurensöhne, bloss weil wir einen doppelten bestellt haben.“  

„Ja, aber wir leben ein Filmklischee aus, als wie wenn wir Hurensöhne wären!“  

„He, du wirst doch nicht etwa...“

Die Bedienung kam zu ihrem Tisch. Es war eine junge, attraktive Frau, vielleicht Mitte zwanzig. „Entschuldigen sie Sir, aber könnten sie ihrem Freund sagen, er soll etwas leiser sprechen?“, fragte sie den Mann im roten Hemd.  

„Wie ist dein Name?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd, der dies natürlich gehört hatte.  

„Mein Name? Äh... mein Name ist Mindy.“  

„Arbeitest du immer hier... Mindy?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd weiter, mit einer Stimme süss wie Honig.  

„Wie? Nein, ich mache dies hier um mein Studium zu finanzieren.“  

„Und was studierst du, Mindy?“  

„Jura.“

Der Mann im roten Hemd trank einen Schluck von seinem doppelten Whisky. Er wusste genau, auf was das hinauslaufen würden. „Hör mal. Es ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt...“, sagte er zu dem Mann im hellblauen Hemd.  

„Halt die Klappe“, unterbrach ihn dieser mit einem zornigen Blick und richtete seinen Aufmerksamkeit sofort wieder auf die junge Frau. „Hör gut zu, Mindy, die als Bedienung in einem heruntergekommenen Kaffee wie diesem jobbt, um ihr Jurastudium zu finanzieren: Halt einfach nur die Klappe und bring uns einen Aschenbecher!“  

„He! Das hier ist ein Nichtraucherkaffee!“, erwiderte Mindy gehässig.Der Mann im hellblauen Hemd griff blitzschnell unter sein Jackett und zog eine Pistole hervor. Er packte Mindy und hielt ihr die Waffe an die Schläfe. Entsetzen machte sich in ihrem Gesicht breit.  

„Verdammt noch mal! Einen Aschenbecher will ich du Klischeetussy! Sonst blas ich dir deine verdammte Rübe vom Hals ist das klar?“Der Mann im roten Hemd zog ebenfalls eine Pistole und richtete sie auf den Geschäftsführer, der sich totenblass vor Angst an die weisse Kachelwand hinter sich presste.  

„Siehst du? Siehst du? Genau das meine ich! Warum heissen alle Bedienungen Mindy oder Stacey, hä? Weil wir in einer verdammten filmgeprägten Klischeewelt leben!“, brüllte der Mann im hellblauen Hemd, als er seine Waffe noch fester an Mindys Schläfen presste.   

„Schon gut, schon gut! Hast ja Recht. Und jetzt lass uns hier abhauen. Wir haben denen schon genug Ärger bereitet“, sagte der Mann im roten Hemd ruhig. „Ausserdem macht sich der Geschäftsführer gleich in die Hose und die hübsche Mindy sieht auch ziemlich fertig aus. Und die beiden da drüben würden am liebsten davonlaufen.“  

„Bitte tun sie uns nichts“, flehte der Geschäftsführer.  

„Und warum nicht du Mistkerl?“, brüllte der Mann im hellblauen Hemd weiter. „Klischees gehören verboten und ich werde sie tilgen wo ich sie finde, verdammt noch mal!“  

„Oh mein Gott!“, stammelte Mindy. Ein kurzer Augenblick des Schweigens trat ein.  

„Oh weh“, sagte der Mann im roten Hemd und kniff die Augen zusammen. Das Gesicht des Mannes im hellblauen Hemd verzog sich augenblicklich zu einer eisigen Maske. Und dann entlud sich sein Zorn. 

Die beiden Männer flohen über den Hinterhof des Strassenkaffees und durch die Gassen. Nach einem ausgiebigen Dauerlauf lehnten sie sich schwitzend und nach Luft schnappend an eine Gebäudewand.  

„Und? Geht... es dir... jetzt etwas besser?“, fragte der Mann im roten Hemd, als er wieder einigermassen Luft zum Sprechen hatte.  

„Verdammt noch... mal... nein!“, lautete die Antwort.  

„Was für ein Gemetzel...“  

„Aber die haben es allesamt verdient! Verdammte Klischees!“Irgendwann einmal hörten sie entfernt Polizeisirenen. Sie blieben noch eine Weile ruhig stehen. Der Mann im roten Hemd wischte sich mit dem Ärmel den Schweiss aus dem Gesicht. „Ich gehe jetzt nach Hause, Alkaselzer frühstücken.“ Dann wandte er sich zum Gehen.  

„He!“, sagte der Mann im hellblauen Hemd hinter ihm.  

„Was ist?“  

„Ich habe nachgedacht. Glaubst du, dass wir zwei wandelnde Klischeegangster sind?“  

„Wie man’s nimmt“, sagte der Mann im roten Hemd und ging davon. Der Mann im hellblauen Hemd dachte noch eine Weile alleine in der dunklen Gasse nach.  

„Verdammt.“ 

Das Strassenkaffe wurde noch in derselben Nacht geschlossen und einige Monate später komplett renoviert. Danach hatte irgendjemand namens Jake das Haus gekauft und darin eine Videothek eröffnet.

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