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2008 02

Kurzgeschichten römisch zwei




05.02.2008 20:46:16 | 0 Kommentare | 339 Hits | melden!
      

Um das ohnehin schlechte schriftstellerische Bild meiner Wenigkeit abzurunden, hier noch eine zweite:

In einer dunklen Halle öffnete sich grosses, gelb leuchtendes Auge. Die schlitzartige Pupille weitete sich ein wenig, als der Besitzer des Auges etwas wahrnahm.

„Nicht schon wieder“, stöhnte eine tiefe Stimme, die man eigentlich nicht wirklich hören, sehr wohl aber wahrnehmen konnte.Aus einem Schatten der Halle löste sich eine Gestalt. Das Auge wandte sich ihr zu. Es war eine junge Frau und abgesehen von einem Tuch, dass sie sich um die Lenden gebunden hatte, war sie nackt (warum genau, weiss niemand, aber die Tradition will es so). Sie hielt ein Tablett in den Händen, auf welchem einige Flaschen standen.  

„Was habt ihr mein Herr?“, fragte die Frau in einer sanften Stimme. „Habt ihr wieder schlecht geträumt?“   

„Nein, mein Schatz“, antwortete das Auge, „aber jemand ist in die oberen Höhlen eingedrungen. Ich hatte dich doch darum gebeten, diesen Zugang zu versiegeln?“   „Ja, das habt ihr, aber ich hatte doch erwähnt, dass das schlecht für meine Fingernägel sei. Ausserdem mögt ihr es doch, wenn ich euch unter dem Kinn kraule, nicht wahr?“  

„Ja, aber...“  

„Und wie kann ich euch unter dem Kinn kraulen, wenn meine Fingernägel im Eimer sind, mein Herr? Und ihr mögt es doch so gerne, wenn es dabei etwas kitzelt.“  

„Da hast du recht mein Schatz, aber du weißt doch, wenn es hier drin zieht, dann ist das sehr schlecht für mein Rheuma“, sagte das Auge.

„Deswegen habe ich euch ja auch eine neue Salbe zubereitet, Herr“, erwiderte die junge Frau und hielt ihr Tablett hoch. „Und jetzt legt auch auf die Seite, damit ich die Salbe auftragen kann.“

   „Aber...“ 

„Keine Widerrede Herr! Der Winter kommt schliesslich bald und dann wird es hier richtig kalt.“  

„Na gut, wie du meinst, Schatz“, sagte das Auge. Ein schwerer Körper liess sich auf die Seite fallen. Weit über der Halle wankte ein Ritter durch die enge und dunkle Höhle. Bei jedem Schritt quietschte seine Rüstung. Er war verärgert. Der Händler aus Hose hatte ihm versichert, dass diese Rüstung leicht anzulegen war und sogar die stärksten Schwerthiebe aushielt. Das stimmte auch soweit, wenn man die vielen Beulen und Dellen berücksichtigte. Was ihm der Händler allerdings verschwiegen hatte, war, dass die Rüstung nach Kontakt mit Wasser schneller rostete als Roheisen in einer Salzlösung. Vierzig Silberlinge waren ein verdächtig günstiger Preis.  

„Verdammte Dunkelheit“, murmelte der Ritter vor sich hin. „Ausserdem ist es hier einfach zu eng.“

Mit einem lauten KLONK stiess er sich den Kopf an einem Felsen an der Decke.  

„Au! Mistverdammt!“, fluchte der Ritter und rieb sich seinen Helm. Als die tanzenden Lichter vor seinem Kopf wieder verschwunden waren, tastete er sich weiter vorwärts. Plötzlich hörte der Boden unter seinen Füssen auf und gab der Schwerkraft den Vortritt, als der Ritter ins Leere tappte und vornüber fiel.  

„Oh Mist...“, waren seine Worte. 

Das Auge blickte sich um. „Hast du das gehört mein Schatz?“ fragte es.  

„Was habe ich gehört, mein Herr?“  

„Dieses Geräusch...“  

„Ich höre nichts, mein Herr“, sagte die Frau, als sie die Salbe weiter auftrug. Dann hielt sie inne. „Ihr habt recht, mein Herr. Es klingt wie...“

Aus der Stille schälte sich ein Geräusch und es klang so, als würde jemand einen Werkzeugkasten eine Treppe hinunterwerfen. Es wurde immer lauter.  

„Ah, ich schätze, da hat jemand die lange Treppe gefunden“, sagte das Auge.   „Die Stufen sind aber auch immer glitschig“, sagte die Frau. „Es ist die Feuchtigkeit in den oberen Höhlen, wisst ihr.“  

„Täusche ich mich, mein Schatz, oder ruft da immer jemand ‚Au-au-au’?  

„Was ihr nicht alles hört“, sagte die Frau. „Moment, jetzt höre ich es auch.“ 

Etwas schweres, metallisches rasselte nach einer ganzen Weile in die grosse Halle. „Au! Au! Au!“Der Ritter kam bäuchlings zum Stillstand und stöhnte hingebungsvoll. Er tastete sich umher. „Wo ist mein Schwert?“, murmelte er und liess seinen gepanzerten Arm den Boden abtasten. „Ah, da.“ Er griff nach seinem Schwert und stellte fest, dass es besser war es am Griff zu packen als an der Klinge. „Au!“

Dann rappelte er sich auf. Er blickte in zwei grosse, gelbe Augen, die ihn fragend musterten. „Aargh!“ Vor Schreck fiel er rückwärts wieder hin. Diesmal klang es wie leere Getränkedosen, die jemand auf dem Boden ausleerte.  

„Alles in Ordnung?“, fragte der Drache vorsichtig, als sich der Ritter eine Weile nicht bewegt hatte.  

„J... ich meine... haltet ein, oh übler Drache!“, sprach der Ritter unsicher. „Äh... oder mein Schwert wird euch das Herz durchbohren!“Der Drache seufzte. „Das glaube ich kaum. Nichts gegen euch, Ritter, aber ihr liegt schon auf dem Rücken.“  

„Das ist Absicht!“, sagte der Ritter trotzig.  

„Oh. Na dann...“  

„Äh... ich komme nicht mehr hoch“, gab der Ritter nach einer Weile kleinlaut zu. „Würde es euch etwas ausmachen, mir auf die Beine zu helfen?“ Eine grosse Klaue hielt ihm einen Finger hin. Der Ritter griff danach und eine entsetzliche Kraft wuchtete ihn wieder auf die Beine. Er schwankte bedrohlich und wirkte dabei wie ein Stehaufmännchen. Dann blickte er vorsichtig in das Gesicht des Drachens. Sofort hielt er sich die Hand vor die Augen.  

„Warum bedeckt ihr eure Augen, Ritter?“, fragte der Drache verwundert.  

„Nun, damit ihr mich nicht hypoth... hünen...“  

„Hypnotisieren?“  

„Hüpnotisieren, genau! Damit ihr mich nicht hüpnositieren könnt!“

Der Drache dachte eine Weile lang nach. „Aber wie wollt ihr gegen mich kämpfen, wenn ihr nichts sehen könnt? Denn zweifelsohne seid ihr hierher gekommen und mich herauszufordern.“  

„Ich brauche euch nicht zu sehen, oh höllische Kreatur des Bösen, ausgespieen aus den neun Höllen, Vernichter der Tugend und Schosshund der Dämonen!“Der Drache bedachte den Ritter mit einem schiefen Blick. „Hm. So hat mich bis jetzt noch niemand genannt.“  

„Oh, üble Kreatur...“  

„Kann es sein, dass ihr etwas unhöflich seid, Ritter?“, unterbrach ihn der Drache.  

„Wie?“  

„Ich meine, es ist doch recht unhöflich, in meine Behausung einzudringen, sich aufhelfen zu lassen und mich dann auch noch zu beschimpfen, meint ihr nicht auch?“  

„Tja... ich... äh...“, stammelte der Ritter und scharrte verlegen mit seinem Fuss. „Ich meine, in allen Büchern ist es doch so, dass der Ritter den äh... üblen Schurken stellt, ihn besiegt und schliesslich mit einer Prinzessin und Säcken voll mit Gold und Edelsteinen in die Heimat zurückkehrt. Und dabei vom Volk bejubelt wird, das ist natürlich ganz wichtig... äh...“  

„Prinzessin? Gold? Edelsteine?“, fragte der Drache verwundert und blickte in der Halle umher. „Euch scheint etwas zu fehlen. Und ich meine nicht bloss die diversen Einzelteile eurer Rüstung.“  

„Seht ihr? Seht ihr? Ihr habt soeben meine Ehre befleckt und jetzt müssen wir miteinander kämpfen!“, triumphierte der Ritter und zog sein Schwert. Ehe er es sich versah, nahm ihm der Drache das Schwert weg und gab es ihm zurück. Mit einem recht hübschen Knoten darin.  

„Was ist denn hier los?“, fragte eine Stimme. Die junge Frau betrat die Halle. „Kaum gehe ich etwas Salbe holen, da geht hier alles drunter und drüber. Wer ist dieser Jüngling dort, Herr?“  

„Nun, das ist ein verhinderter Ritter...“

Als der Ritter die nackte Frau sah, produzierten diverse Drüsen in seinem Körper verschiedene Säfte und drehten sein Gehirn ordentlich durch die Mangel. „Hrrgn...“  

„Er scheint verschiedene Sprachen zu beherrschen, wie ich höre. Aber leider hapert es aber noch ein bisschen mit den Manieren“, sagte der Drache.Instinktiv griff der Ritter nach seinem Helm, dem das Visier fehlte, um ihn vom Kopf zu ziehen. „Mein Name ist Sir... Moment...“ Der verbeulte Helm verweigerte jeglichen Versuch, sich zu entfernen.  

„Sir Moment?“, fragte Frau verwundert. „Ein seltsamer Name, meint ihr nicht auch, Herr?“ Der Drache nickte.  

„Nein, ich heisse... verflucht!“ Der Helm klemmte fester als ein durch Hitze verzogenes Stahltor.  

„Verflucht seid ihr auch noch?“, fragte die Frau. „Der verfluchte Sir Moment. Wie süss.“ Sie öffnete die Flasche, in der eine Salbe verdächtig vor sich hin blubberte. Sofort verbreitete sich ein leicht stechender Geruch in der Halle.  

„Ich komme, um euch aus den Klauen dieser Be... äh... dieses Drachen zu befreien, holde Schön... Was macht ihr da?“  

„Ich reibe meinen Herrn mit dieser Salbe ein. Rheuma, wisst ihr. Schreckliche Sache. Vor allem um diese Jahreszeit.“  

„Äh... jetzt nicht mein Schatz“, sagte der Drache peinlich berührt.  

„Nun stellt euch doch nicht so an, Herr. Ausserdem könntet ihr ruhig etwas netter zu unserem Gast sein. Habt ihr ihm Kekse angeboten?“, fragte sie, als sie die Paste dem Drachen in die mächtigen Oberschenkel einrieb.  

„Weißt du Schatz, es ist wirklich gerade etwas unpässlich. Ausserdem... Was? Wir haben Kekse?“, fragte der Drache überrascht.  

„Natürlich. Ich hatte euch doch gesagt, dass ihr nicht immer so viel davon naschen sollt. Das ist schlecht für euer Gewicht. Darum habe ich sie weggeschlossen.“Der Drache und der Ritter wechselten einen verlegenen Blick. „Nun ja, äh... aber dieser Ritter hier...“  

„Moment mal.“, warf der Ritter ein, „ihr beide seid... äh...“  

„Ein Paar, ja“, liess der Drache nicht ohne Stolz verlauten.  

„Aber sie ist doch eine Prinzessin, die ihr entführt habt...“  

„Sie ist keine Prinzessin.“  

„Bin ich sehr wohl!“, protestierte die junge Frau.Für einen Moment wurde es still.   „Bist du doch?“, fragte der Drache überrascht. „Wieso hast du mir all die Jahre nie etwas davon erzählt?“   „Ihr habt nie danach gefragt, Herr“, lautete die knappe und etwas beleidigte Antwort der jungen Frau.  

„Ha! Ich wusste, dass sie eine Prinzessin ist!“, warf der Ritter triumphierend ein.   „Seht ihr? Der Jüngling ist eben aufmerksam“, sagte die junge Frau.   „Soll das heissen, dass ich unaufmerksam bin?“  

„Manchmal schon.“  

„Das ist unfair! Ich habe dir alles gegeben! Ich habe dich mit Gold überhäuft und so...“  

„Es waren ein paar mickrige Silberlinge!“  

„Na gut. Dann waren es halt eben nur ein paar Silberlinge. Aber immerhin habe ich dich damit überhäuft!“  

„Ihr hattet euer ganzes Vermögen in einem kleinen Lederbeutel aufbewahrt!“   „Den ich dir geschenkt habe!“

Der Ritter verfolgte die ganze Szene mit wachsender Verwunderung. „Dann gibt es hier gar kein Vermögen?“, fragte er schliesslich wie jemand, dem man alle Hoffnung geraubt hatte. Der Drache und die junge Frau warfen ihm einen finsteren Blick zu.   „Seid still!“, sagten die beiden wie aus einem Mund.  

„Aber ihr seid eine Prinzessin... und ich bin ein Ritter. Und er ist, nun ja, ein Drache...“  

„Der sich die ganze Zeit über sein Rheuma beklagt“, sagte die Junge Frau gereizt.  

„Und der sich seit Jahren mit einer... einer... Zicke herumplagen muss!“, meckerte der Drache.  

„Eine Zicke? Ich? Lieber eine Zicke als ein Pantoffelheld!“, schimpfte die junge Frau.  

„Oh, das ist stark! Ein Pantoffelheld! Ich! Ha! Und du bist naiv, verschwenderisch und  versteckst Kekse vor mir!“  

„Naiv? Verschwenderisch? Ich zeige euch was verschwenderisch ist!“ Sie schmetterte die Flasche auf den Boden. Es klirrte und Glassplitter stoben umher. Dann verliess sie zornig die Halle und verschwand in einem Seitengang. Der Drache blickte ihr nach.  

„Äh...“, liess sich der Ritter vernehmen.  

„Was ist?“ fragte der Drache wütend.  

„Nun... äh... sie hat Temperatur.“  

„Temperament!“  

„Ich dachte immer, dass sich eine Prinzessin geradezu in die Arme ihres Befreiers stürzt und sich dankbar an ihn schmiegt?“

„Eher könntet ihr euch einen tollwütigen Igel in die Hose schieben!“, sagte der Drache verächtlich. Die junge Frau kehrte wenig später mit langen Schritten in die Halle zurück. Sie trug eine grosse Dose bei sich und warf sie den Beiden vor die Füsse, beziehungsweise die Klauen. Sie klapperte und die Kekse rollten über den Boden.

„Dann fresst halt eure dummen Kekse! Das ist verschwenderisch! Ein unfähiger Ritter und ein Pantoffelheld. Ha!“ Dann wandte sie sich angewidert ab. “Und glaubt ja nicht, dass ich jemals wieder Kekse für euch backe!”

Der Ritter bückte sich so weit es die Rüstung zuliess. Er wirkte dabei wie Banane, die man in Eisen gepackt hatte. Nicht ohne Mühe hob er einen Keks hoch und biss hinein.  

„He, mit Butter. Sehr köstlich.“  

„Was? Sie hat wirklich Butter verwendet?“, fragte der Drache ungläubig. „Das ist gemein! Meine Lieblingskekse!“  

„Pah!“, schnaubte die Junge Frau.  

„Ich würde alles tun für diese Kekse!“, sagte der Drache wehmütig.  

„Dann folltet ihr euch bei ihr empfuldigen“, flüsterte der Ritter mit vollem Mund. „Die find wiklich gampf aumpfgezeichnet!“

Der Drache dachte eine Weile nach. Dann rang er sich zu einer Entscheidung durch.   „Tja äh... Schatz... es tut mir leid. Ich sehe, dass du dich wirklich sehr um mich kümmerst...“, er warf dem Ritter einen unsicheren Blick zu. Dieser rollte mit seiner Hand. Mit der anderen biss er ein grosses Stück von einem neuen Butterkeks ab.  

„Und äh... du singst schön?“

Der Ritter rollte weiter mit der Hand.  

„Äh... und du machst ausgezeichnete Kekse. Und du bist hübsch... und ganz und gar nicht naiv...“, gab der Drache zu.  

„Hmpf!“, machte die Junge Frau.  

„Und ja... äh... ich will nicht leben ohne dich... äh...“ Er hielt inne. „Muss das wirklich sein?“, flüsterte er dann dem Ritter zu. Dieser kaute weiter.  

„Umpfedingt, gampf klar!“  

„Bitte verzeih, mein Schatz... Es tut mir leid, dass ich so gemein war zu dir“, liess sich der Drache vernehmen. Er setzte seine süsseste Stimme auf, die zu imitieren vermochte. Ein Diabetiker wäre auf der Stelle tot umgefallen.  

„Na schön, ich verzeihe euch.“Der Drache atmete erleichtert auf.  

„Aber nur unter einer Bedingung!“  

„Was ihr wollt“, sagte der Drache grossmütig.   „Ich darf diesen Ritter behalten. Zum spielen.“

Der Drache warf dem Ritter einen abschätzigen Blick zu.  

„Aber Schatz, das mit den Haustieren hatten wir doch schon mal. Kannst du dich an den Armen Sir Lanzennot erinnern? Es dauerte Wochen, bis er endlich stubenrein war. Und ich mag nicht immer die Häufchen wegwischen.“  

„Kein Ritter, keine Butterkekse!“, sagte die Frau in einem fordernden Tonfall. Der Drache überlegte.

„Dafür darf ich so viele Butterkekse essen wie ich will.“  

„Abgemacht“, sagte die junge Frau.  

„Äh...“, warf der Ritter verzweifelt ein. „Wenn ich dazu auch noch etwas sagen dürfte...“  

„Ihr seid doch stubenrein oder?“, fragte der Drache ernst.  

„Ja, aber eigentlich...“  

Dann wäre das ja geklärt. In einer guten Ehe muss man eben kompromissbereit sein.“

Panik stieg im Ritter auf. „Moment! Ich...“ Weiter kam er nicht. Die junge Frau hatte schon seinen Arm ergriffen.   

„Wir werden uns gut verstehen“, sagte sie fröhlich.  

„Ja aber...“, begann der Ritter erneut.  

„Ich sagte: Wir werden uns gut verstehen, klar?“, unterbrach ihn die junge Frau.Sie zog den verblüfften Ritter hinter sich her. Er leistete keinen Widerstand.  

„Komm, ich möchte dir etwas zeigen“, sagte sie lächelnd, als die beiden eine sehr private Seitenhöhle aufsuchten. 

Der Drache blickte ihnen eine Weile nach. Menschen. Er würde sie nie verstehen. Aber das musste er auch nicht. Er wischte die Scherben am Boden in eine Ecke. Dann breitete er sich auf dem Hallenboden aus, ignorierte die seltsamen Geräusche, die aus der Seitenhöhle an sein Ohr drangen und schlief glücklich ein.  

Er träumte von vergangenen Zeitaltern – und von Butterkeksen.

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Kurzgeschichten I




05.02.2008 20:14:59 | 0 Kommentare | 263 Hits | melden!
            

In einer völlig verzweifelten und überaus unkreativen Phase habe ich mich dazu entschieden, Kurzgeschichten zu verfassen. Die Schreibblockade lässt grüssen. Wenn ich ein Autor wäre, der finanziell auf seine Arbeiten angewiesen ist, wäre ich mittlerweile schon etwa drei Mal pleite gegangen, hätte Privatkonkurs anmelden müssen und weiss der Geier was noch alles.

Wie dem auch sei: Hier etwas aus meinem Ordner, liebevoll auch "die Grube" genannt. Viel Spass damit!

In einem Strassenkaffe an einer Kreuzung sassen sich an einem Tisch beim Fenster zwei Männer gegenüber. Es war spät am Abend als sie sich trafen, die meisten Gäste waren schon gegangen. Eine der Neonröhren flackerte über ihrem Tisch.Die beiden Männer, sie mochten Ende dreissig sein, trugen schwarze Anzüge. Der eine ein hellblaues Hemd mit einer gelben Krawatte, der andere ein rotes Hemd mit schwarzer Krawatte. Beide waren sehr gepflegt, der Mann mit dem roten Hemd trug einen Dreitagebart. Sie schwiegen.   

„Dieses Geflacker nervt mich“, sagte der Mann im roten Hemd plötzlich.  

„Ja. Ich kann Neonlicht nicht ausstehen“, sagte der andere im hellblauen Hemd.  

„Es wirkt so kalt.“  

„Wie in einem Badezimmer.“

Dann schwiegen sie wieder. Der Mann im hellblauen Hemd trank seinen Whisky aus. „Nimmst du auch noch einen?“, fragte er nach einer Weile.  

„Ja, noch einen doppelten.“  

„Wieso bestellt man eigentlich immer einen doppelten?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd, als er der Bedienung ein Zeichen mit der Hand gab.  

„Tja, also... ich weiss nicht“, erwiderte der Mann im roten Hemd.  

„Ich meine in allen Filmen und Büchern ist es so. Ein Mann kommt in eine Bar und bestellt sich einen doppelten. Warum eigentlich? Würde mich echt mal interessieren.“

Der Mann im roten Hemd überlegte eine Weile. „Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ein einfacher einfach zu schnell weg ist?“  

„Glaube ich nicht. Dann bestellt man sich halt eben einen neuen.“  

„Aber wenn eine Bar gerammelt voll ist, will man sich vielleicht nicht alle zehn verdammten Minuten zum Barkeeper durchkämpfen.“  

„Aber dieses Strassenkaffee hier ist leer, abgesehen vom Personal und dem Typen mit der Frau da drüben.“  

„Tja...“

Die Bedienung stellte zwei Gläser Whisky auf den Tisch und nahm die leeren wieder mit.  

„Ist dir mal aufgefallen, dass alle tragischen Gestalten einen doppelten nehmen, wenn sie sich zuschütten wollen?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd, als er sich zurücklehnte und sich eine Zigarette anzündete.  

„Ich könnte mich nie mit Whisky zuschütten“, sagte der Mann im roten Hemd, „das wäre nicht gut für mein Magengeschwür. Aber vielleicht machen das echte Kerle halt eben so. In eine Bar gehen, einen doppelten bestellen und das wär’s.“  

„Vielleicht. Ja, vielleicht hat es auch etwas mit der Männlichkeit zu tun“, sagte der Mann im hellblauen Hemd und blies hellblauen Rauch in die Luft.  

„Was soll das mit Männlichkeit zu tun haben? Bin ich nicht männlich, bloss weil ich ein Magengeschwür habe und deshalb nicht so viel Whisky trinken sollte?“  

„Ich sagte, in den Büchern und in den Filmen ist das so. Nein, du wirkst sehr männlich mit deinem Dreitagebart. Ich meine, ein Typ kommt in eine Bar, bestellt sich einen doppelten und sagt das so laut, dass alle herumstehenden Personen ihn hören können. Wahrscheinlich damit sie denken, dass der Typ ein echter Mann ist.“  

„Gib mir mal eine Zigarette rüber“, sagte der Mann im roten Hemd und nahm eine aus dem Päckchen, dass ihm der andere hinhielt. Er zündete sie sich an und sog genüsslich daran.  

„Genau! Genau das meine ich! Das ist doch ein gottverdammtes Klischee, das wir hier leben. Whisky und Zigaretten!“, sagte der Mann im hellblauen Hemd etwas lauter.  

„Was soll daran falsch sein? Whisky und Zigaretten gehören zusammen wie... wie... ein Ire mit einer Fiedel“, sagte der Mann im roten Hemd.  

„Ja, aber deswegen rennt nicht jeder Ire mit einer gottverdammten Fiedel in der Gegend rum, bloss weil es das Klischee so will!“, ereiferte sich der Mann im hellblauen Hemd.  

„Warum regst du dich so über Klischees auf? Meine Güte, diese Kombination passt doch prima zusammen.“  

„Verdammt, es geht mir ums Prinzip! Jeder der uns sieht, denkt sich sicher, dass wir zwei Hurensöhne mit einem verdammten Klischeekomplex sind!“

Der Mann im roten Hemd blickte sich schnell um und bemerkte, dass die Bedienung ihnen nervöse Blicke zuwarf. „Du solltest nicht so laut sprechen. Ich glaube, die mögen das hier nicht besonders“, sagte er beschwichtigend.  

„Ich spreche so laut wie ich will!“  

„Meine Güte, was ist denn heute mit dir los?“  

„Ich habe einfach ein verdammtes Problem damit, einen doppelten Whisky zu saufen und dabei eine Zigarette zu rauchen. Diese Klischeekacke geht mir einfach auf den Wecker!“  

„Ja, aber hör mal...“

„Und warum darf ich in einem Pub so laut sprechen wie ich will, bloss in einem Strassenkaffee nicht? Weil das Klischee es so verlangt!“

„Du trinkst doch deinen Whisky trotzdem und rauchst dazu eine Zigarette. Ich weiss nicht genau, auf was du hinauswillst.“  

„Es geht mir ums Prinzip!“, ärgerte sich der Mann im hellblauen Hemd weiter.  

„Dann will ich dir mal etwas sagen: Man trinkt einen Whisky und raucht dazu prinzipiell eine Zigarette oder eine Zigarre oder was man auch immer dazu reichen will. Klingt das für dich etwas besser?“  

„Nein, weil das hier ein Klischee ist und Klischees schon rein aus Prinzip abgeschafft werden sollten! Klischees machen alles langweilig!“  

„Prinzipien und Klischees... ha!“  

„Ich meine, man sieht sich einen Film an, in dem ein Typ in eine Bar geht und was bestellt dieser Hurensohn? Einen doppelten Whisky! Und hinter dem Barkeeper ist die ganze verdammte Wand mit diversen Flaschen vollgepappt, von Wodka über Wein bis hin zu Dingen, die man aus irgendwelchen tropischen Früchten gepresst hat! Aber nein, Herr Hurensohn bestellt sich einen doppelten Whisky!“  

„So gesehen hast du Recht. Aber deswegen sind wir beide aber noch lange keine Hurensöhne, bloss weil wir einen doppelten bestellt haben.“  

„Ja, aber wir leben ein Filmklischee aus, als wie wenn wir Hurensöhne wären!“  

„He, du wirst doch nicht etwa...“

Die Bedienung kam zu ihrem Tisch. Es war eine junge, attraktive Frau, vielleicht Mitte zwanzig. „Entschuldigen sie Sir, aber könnten sie ihrem Freund sagen, er soll etwas leiser sprechen?“, fragte sie den Mann im roten Hemd.  

„Wie ist dein Name?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd, der dies natürlich gehört hatte.  

„Mein Name? Äh... mein Name ist Mindy.“  

„Arbeitest du immer hier... Mindy?“, fragte der Mann im hellblauen Hemd weiter, mit einer Stimme süss wie Honig.  

„Wie? Nein, ich mache dies hier um mein Studium zu finanzieren.“  

„Und was studierst du, Mindy?“  

„Jura.“

Der Mann im roten Hemd trank einen Schluck von seinem doppelten Whisky. Er wusste genau, auf was das hinauslaufen würden. „Hör mal. Es ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt...“, sagte er zu dem Mann im hellblauen Hemd.  

„Halt die Klappe“, unterbrach ihn dieser mit einem zornigen Blick und richtete seinen Aufmerksamkeit sofort wieder auf die junge Frau. „Hör gut zu, Mindy, die als Bedienung in einem heruntergekommenen Kaffee wie diesem jobbt, um ihr Jurastudium zu finanzieren: Halt einfach nur die Klappe und bring uns einen Aschenbecher!“  

„He! Das hier ist ein Nichtraucherkaffee!“, erwiderte Mindy gehässig.Der Mann im hellblauen Hemd griff blitzschnell unter sein Jackett und zog eine Pistole hervor. Er packte Mindy und hielt ihr die Waffe an die Schläfe. Entsetzen machte sich in ihrem Gesicht breit.  

„Verdammt noch mal! Einen Aschenbecher will ich du Klischeetussy! Sonst blas ich dir deine verdammte Rübe vom Hals ist das klar?“Der Mann im roten Hemd zog ebenfalls eine Pistole und richtete sie auf den Geschäftsführer, der sich totenblass vor Angst an die weisse Kachelwand hinter sich presste.  

„Siehst du? Siehst du? Genau das meine ich! Warum heissen alle Bedienungen Mindy oder Stacey, hä? Weil wir in einer verdammten filmgeprägten Klischeewelt leben!“, brüllte der Mann im hellblauen Hemd, als er seine Waffe noch fester an Mindys Schläfen presste.   

„Schon gut, schon gut! Hast ja Recht. Und jetzt lass uns hier abhauen. Wir haben denen schon genug Ärger bereitet“, sagte der Mann im roten Hemd ruhig. „Ausserdem macht sich der Geschäftsführer gleich in die Hose und die hübsche Mindy sieht auch ziemlich fertig aus. Und die beiden da drüben würden am liebsten davonlaufen.“  

„Bitte tun sie uns nichts“, flehte der Geschäftsführer.  

„Und warum nicht du Mistkerl?“, brüllte der Mann im hellblauen Hemd weiter. „Klischees gehören verboten und ich werde sie tilgen wo ich sie finde, verdammt noch mal!“  

„Oh mein Gott!“, stammelte Mindy. Ein kurzer Augenblick des Schweigens trat ein.  

„Oh weh“, sagte der Mann im roten Hemd und kniff die Augen zusammen. Das Gesicht des Mannes im hellblauen Hemd verzog sich augenblicklich zu einer eisigen Maske. Und dann entlud sich sein Zorn. 

Die beiden Männer flohen über den Hinterhof des Strassenkaffees und durch die Gassen. Nach einem ausgiebigen Dauerlauf lehnten sie sich schwitzend und nach Luft schnappend an eine Gebäudewand.  

„Und? Geht... es dir... jetzt etwas besser?“, fragte der Mann im roten Hemd, als er wieder einigermassen Luft zum Sprechen hatte.  

„Verdammt noch... mal... nein!“, lautete die Antwort.  

„Was für ein Gemetzel...“  

„Aber die haben es allesamt verdient! Verdammte Klischees!“Irgendwann einmal hörten sie entfernt Polizeisirenen. Sie blieben noch eine Weile ruhig stehen. Der Mann im roten Hemd wischte sich mit dem Ärmel den Schweiss aus dem Gesicht. „Ich gehe jetzt nach Hause, Alkaselzer frühstücken.“ Dann wandte er sich zum Gehen.  

„He!“, sagte der Mann im hellblauen Hemd hinter ihm.  

„Was ist?“  

„Ich habe nachgedacht. Glaubst du, dass wir zwei wandelnde Klischeegangster sind?“  

„Wie man’s nimmt“, sagte der Mann im roten Hemd und ging davon. Der Mann im hellblauen Hemd dachte noch eine Weile alleine in der dunklen Gasse nach.  

„Verdammt.“ 

Das Strassenkaffe wurde noch in derselben Nacht geschlossen und einige Monate später komplett renoviert. Danach hatte irgendjemand namens Jake das Haus gekauft und darin eine Videothek eröffnet.

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2006 12

Es weihnachtet sehr... Teil 2




21.12.2006 14:06:10 | 2 Kommentare | 391 Hits | melden!
 

 Heute Morgen traf mich ein Gedanke wie ein Hammerschlag und sorgte dafür dass ich sofort hellwach war: Wann zum Teufel soll ich Geschenke einkaufen gehen? Immer wieder dachte ich mir „Das passt schon, brauchst dich nicht zu beeilen, es ist noch genug Zeit bis Weihnachten…“ Und dann steht dieses blöde Fest praktisch schon vor der Tür oder hält zumindest bereits einen Fuss in die Wohnung. Wieso um Himmels Willen braucht man eigentlich so was wie Geschenke? Was ist der tiefere Sinn dahinter? Gründet dieser Brauch etwa in der Bibel, als die heiligen drei Könige Weihrauch dem Christkind brachten und es somit beinahe zu einem zugedröhnten Raucher machten? Was wäre wohl passiert, wenn Jesus gesagt hätte „Ach, scheiss auf alles, ich zieh mir noch etwas Tabak rein…“?

Zurück zu Thema. Da schiebt man diesen Einkaufswahn also Tage vor sich her nur um ab einem bestimmten Punkt festzustellen, dass das Einkaufen mit so ziemlich allem anderen was die eigene Agenda hergibt mehr oder weniger heftig kollidiert. Das mit dem „Frei machen“ läuft im Moment auf der Arbeit nicht, da der vorfestliche Schmerz- und Hilfe-ich-will-den-Doktor-noch-vor-Weihnachten-sehen-Ansturm auf hochtouren läuft. Es ist unglaublich, wie aktiv von Schmerzen arg gepeinigte Menschen sein können. Heute Abend bin ich eingeladen zu einem Besäufnis, morgen Abend werde ich wiederum einem Besäufnis Folge leisten, am Samstag wird gesoffen, am Sonntag wird darüber reflektiert, zu was für einem Alloholiker man doch färkommn ischt und man di Gäschnke schon geschtööörn hätte abliefern müssen…

Die rettende Idee fand ich in der menschlichen Fähigkeit, Dinge miteinander zu verbinden. Anstatt in ein Kaufhaus zu rauschen und sich stundenlang zu überlegen was wem wie gut gefallen könnte, mopse ich einfach ein paar Pint-Gläser aus dem Pub. Sie sind hübsch, dekorativ und multifunktional. Man kann daraus trinken, sie als Vasen benutzen oder Hausspinnen bis zur Grösse einer durchschnittlichen Tarantel fangen, man kann Medikamente aufbewahren und einige eher seltsame Angehörige der Familie können sie sich bei Bedarf auch in den Popo stecken… Ein perfektes Geschenk. Nur wie ich die Gläser aus dem Pub schleuse, weiss ich noch nicht. Wahrscheinlich werde ich meinen Kollegen sagen, sie sollen ihre leeren Gläser draussen vor dem Pub hinter den Zierpflanzen verstecken… Alternativ dazu könnte ich sie natürlich auch einfach bezahlen. Aber an Weihnachten geht es ja um das Nehmen… äh… Schenken von Krempel und da will ja niemand wissen, wie heftig man dafür geblutet hat. 

     

Es weihnachtet sehr...




12.12.2006 14:00:37 | 0 Kommentare | 363 Hits | melden!
     Kürzlich hatte ich wieder mal etwas Zeit, um unangebrachte und überflüssige Gedanken zur Weihnachtszeit aufs digitale Papier zu bringen, und dieser zusammenhangslose Text ist dabei entstanden. Dies ist nur ein erster Teil, weitere werden folgen. Das Ziel ist klar: Bis am 24. musss die Weihnacht mies gemacht werden.

Als Arbeitnehmer in einem Spital stelle ich immer wieder fest, dass die weit überwiegende Mehrheit der Spitäler vor allen Dingen eines gemeinsam hat: Die Räumlichkeiten sind weiss und steril. Ich habe neulich einmal in einem solchen weissen Korridor auf jemanden gewartet und ca. eine halbe Stunde später eine psychedelische Phase durchlebt. Das weiss macht einen fertig. Weiss steht für Reinheit, Sauberkeit und so weiter, aber dass man vor lauter Weissheit einen mittelschweren Dachschaden erleidet, das wird natürlich verschwiegen.

Eine ähnliche psychedelische Phase durchlebte ich neulich beim Schlendern an der Weihnachtlich dekorierten Bahnhofstrasse in Zürich. Wem um Himmels Willen kam diese sagenhaft bekloppte Idee, in der Winterzeit eine weisse Beleuchtung aufzuhängen? Ich hoffe, diese Person gibt sich niemals öffentlich zu erkennen. Draussen ist es kalt und durch das weisse Licht wirkt alles noch viel kälter! Warme Farbtöne sucht man vergebens. Das wirft doch Fragen auf:

Will man uns damit den Winter näher bringen?

Soll das modern sein?

Ist das ein gemeiner Trick der örtlichen Glühweinhändler, um ihre Umsätze zu steigern?

Oder soll das Obdachlose fern halten, weil die ohnehin schon frieren und praktisch auf der Stelle vor Kälte tot umfallen würden, wenn sie diese Klobeleuchtung sähen?

Doch halt: Es gibt einige Geschäfte, die ihre altmodischen Leuchtketten an den Fassaden aufgehängt haben und siehe – diese Lichter wirken deutlich wärmer. Da geht man doch gerne einkaufen. Man betritt also das Geschäft. Aus dem Geräusch der vorbeifahrenden Autos und Trams werden schlagartig festliche Töne. Vorsicht, dieser aprupte Wechsel kann seltsame Gefühle stimulieren... Weihnachtsklänge erklingen aus den Lautsprechern, Engelsstimmen umsäuseln die Ohren und ein ordentliches Hallelujah fehlt auch nicht. Noch immer bin ich der Ansicht, dass es sich bei diesen Liedern um versteckte Botschaften handelt. Spielt man diese nämlich rückwärts ab, wird aus dem „Hallelujah“ ein „Konsumiere!“ und mit den Engelsstimmen werden die neuesten Rabatte verkündet. „Lasst uns den Herrgott preisen“ wird zu „Er kostet nur 29.95“.

Ein Zimtduft liegt wie eine Wand in der Luft, durchbrochen von der Verkäuferin mit ihrem süss riechenden, penetranten Parfüm. Solche Geschäfte sind definitiv  nichts für Zuckerkranke…

In der Zeit der Besinnlichkeit passiert mit vielen Leuten genau das Gegenteil, sie geraten komplett ab der Rolle, sind von Sinnen und von allen guten heiligen Geistern verlassen. Ein Beispiel: Vor mir stand ein elegant gekleideter Herr, der gerade die arme Verkäuferin ordentlich zur Schnecke machte, er genoss es sichtlich, verbal auf sie einzudreschen. Irgendetwas stimmte mit einem Produkt nicht, welches er soeben erstanden hatte.

Ich meine was soll das? Ist es denn zuviel verlangt, sich höflich auszudrücken? Wenn einem die Weihnachtszeit auf den Keks geht, die Ehefrau zu Hause quengelt und die pubertierenden Kinder einem schon in den Ohren liegen wegen den Geschenken, wenn der erste Schock der Wunschliste überstanden ist, die Schwiegermutter einen zu Tode verschlechtgewissert, Nachbars Lumpi die Würmer hat und der Chef im Büro die Sache mit dem Weihnachtsgeld nochmals überdenkt, warum zum Geier muss dann jene unschuldige Verkäuferin mit dem Bildungsstand einer Miesmuschel dran glauben? Soll sie der Kanal für aufgestaute Aggressionen sein? Ich an seiner Stelle wäre wohl auf der Stelle nach Thailand verreist. Weg von allem. 

 
    


2006 06

Der ultimative Killer




14.06.2006 22:29:19 | 2 Kommentare | 373 Hits | melden!
   Zugegeben, ich bin sicherlich nicht die einzige Person auf dieser Welt, die über den ultimativen Killer schreibt. Viele, viele, ja beinahe sogar unzählige Personen haben das vor mir bereits getan und auch schon länge vor und während meiner Geburt. Und sogar während ich lebe und lange Zeit nach meinem Ableben wird man darüber schreiben. Man ist halt lediglich eine temporäre Erscheinung auf dieser Welt. So sind denn Pläne, auch jene, die man sich bereits für die nächsten fünf Minuten vornimmt, eigentlich für die Katz. Es gibt Leute, die planen ihr Leben bis ins kleinste Detail und siehe - die einen oder anderen Dinge treffen sogar zu. Ich nenne dies lediglich Zufall.

Aber zurück zum ultimativen Killer. Ich spreche hier keineswegs von einem Killer à la Jack the Ripper oder dem Hitman, bekannt aus der gleichnamigen Spielereihe, nein... Ich spreche hier von Alkohol.

Als ich heute Abend den Pub besuchte um ein Feierabend-Bierchen zu mir zu nehmen, wurden schnell einmal mehrere daraus. Dies hatte natürlich erhebliche Konsequenzen für meine Brieftasche. Innert eines Abends war diese nämlich leer, bis auf ein paar Münzen, die ich einem armen Schlucker auf dem Nachhauseweg in die Hände gedrückt hatte. Immerhin besänftigt dies das schlechte Gewissen und man kann sich dadurch selber darüber hinwegtrösten, seinen hart verdienten Batzen sinnlos versoffen zu haben.

Ja, Alkohol ist die Ursache und Lösung aller Probleme. Bedenkt man jedoch, dass man von einer Ursache ausgeht, die für Leib und Leben sehr unangenehme Konsequenzen haben kann, rennt man eigentlich für den Rest einer unbestimmten, aber langen Zeit der Lösung hinterher.

Da alkoholische Getränke bekanntlich weit über den Preis einer Flasche Mineralwasser hinausgehen (es sei denn man ist in der Lage, Alkohol selber herzustellen), ist die Brieftasche, wie oben erwähnt, relativ schnell leer. Und dies für ein paar Stunden Benommenheit, damit die Realität einen nicht derart einnimmt. Nichts dagegen, aber dann kommt die erste Problematik: Man kann Alkohol nur in den seltensten Fällen, und selbst diese tendieren rigoros gegen Null, für immer bei sich behalten. Früher oder Später reisst die Plombierung und man steht vor dem Pissoir um den letzten Drink loszuwerden. In dieser Hinsicht bin ich eigentlich dafür, dass man beim Verlassen einer Bar einen Teil des investierten Geldes zurückerlangt, da man den Drink eigentlich nur gemietet hat und dieser schnell dazu neigt, den Körper via naturalis zu verlassen.

Der zweite Punkt betrifft vor allem die gesundheitlichen Konsequenzen. Die Birne wird hohl und die Leber hart. Betreibt man einen derart intensiven Trinkstil über mehrere Jahre, ergeben sich daraus recht bald finanzielle Konsequenzen, da Ärzte ja schliesslich arme Schlucker (jaja...) sind, die mehr oder weniger nur ein Trinkgeld kassieren... Wie zum Geier aber möchte man bitteschön die saftige Arztrechnung bezahlen, wenn man soviel Pinkpinke in den Alkohol investiert hat? Geschweige denn die Praxisgebühr... haha...

Dann wäre noch die soziale Komponente zu erwähnen. Es ist immer wieder erstaunlich, was die Leute einem alles erzählen, wenn sie angetrunken, bzw. betrunken sind. Das Mauerblümchen wird plötzlich mutig und spricht wildfremde Menschen an, der Boss wird plötzlich überaus kommunikativ und lässt sich sogar mit der Reinigungshilfe auf ein tiefenpsychologisches Gespräch mit der Reinigungsfachkraft ein. Nicht dass hiergegen etwas einzuwenden wäre, keineswegs - aber am nächsten Tag kennt der Boss die betreffende Person nicht mehr und guckt sie nicht einmal mehr mit dem Arsch an. Auch ein "Guten Morgen" wird hierbei schnell zum unüberwindbaren Hindernis.  Aber vielleicht ist er zu sehr damit beschäftigt, dem Kater die Katzentüre zu zeigen, sprich, diesen wieder loszuwerden. In Würde natürlich. Jaja, wenn mit steigendem Promillepegel die Hemmschwelle fällt und der Mensch sich praktisch nackt präsentiert, kann man erschrecken... Übrigens passieren hierdurch auch im engsten Freundeskreis derarige Situationen, mit denen man irgendwie wieder fertig werden muss. Und wer hat in einer solchen Situation nicht schon mal geflunkert? Oder gelogen, dass sich die Balken biegen? Dass ich hieraus Probleme ergeben, scheint auf der Hand zu liegen.

Man könnte natürlich auch sagen, dass eben jene Situationen das Leben lebenswert machen. Schön und gut, aber wie bitteschön, wenn man sich trotz angestrengten Überlegens an nichts mehr erinnern kann? Wenn eine Geschichte darüber, was man im Vollsuff alles angestellt hat bereits aus einem einzigen anderen Mund kommt, kann man davon ausgehen, dass hinzugedichtet wurde und somit die Glaubwürdigkeit einer eben solchen Geschichte ohnehin in Frage gestellt werden muss.

Fassen wir also zusammen: Alkohol kann (Achtung, ich sage hier bewusst "kann" die Brieftasche, die Gesundheit und die soziale Komponente killen. Eigentlich kann man nicht viel schlimmer umgebracht werden.

Und genau darum liebe ich das flüssige Leben.

So, dies wäre ein weiterer unbrauchbarer Gedankengang meinerseits. Ich gehe mir jeztzt noch ein Bier holen, möchte auch noch wer eines haben? Na dann: Cheers!

     

Ein neues Jahr




10.06.2006 15:26:26 | 4 Kommentare | 340 Hits | melden!
 

Jaja, das ist so eine Sache mit dem Leben. Der Jahreszähler erhöht sich kontinuierlich, während die noch verbleibenden Jahre des Lebens drastisch gegen Null sinken. Mir kommt es so vor, als wäre ich gerade 26 geworden nur um schnell festzustellen, dass es nun schon 27 Jahre sind. Natürlich, das ist noch nicht das Greisenalter aber wenn das so weitergeht, ist das schnell erreicht. Ich habe gerade das Gefühl, dass die Zeit rast. Dabei frage ich mich, weshalb es die Zeit so eilig hat? Man könnte natürlich auch sagen, dass die Zeit eine subektive Angelgenheit ist und lediglich unterschiedlich wahrgenommen wird. Das mag ja schon sein, aber als ich heute Morgen mit Augenringen vor dem Spiegel stand und feststellen musste, dass sich hier und da Falten gebildet haben wo bis vor kurzem noch keine waren, war mir recht schnell klar - Zeit ist nicht nur subjektiv sondern sehr deutlich und überaus widerwärtig auch objektiv vorhanden. DIe Haare auf der Rübe werden immer weniger (Danke liebe Familie), der Rücken tut weh und das jugendliche Leuchten in den Augen ist entschwunden und einem trüben Blick gewichen. Es kann natürlich auch daran liegen, dass ich erst gerade aufgestanden bin.

Wie dem auch sei, ich fühle mich gut und bin schon sehr gespannt auf die Jahre die da noch kommen mögen. Glücklicherweise weiss man nur äusserst selten, wie viel Zeit einem noch bleibt, doch eins ist sicher: Es ist immer weniger. Eigentlich sollte man die Zeit verhaften und wegsperren. Denn wenn das Leben eine Autobahn wäre, wäre die Zeit überaus rücksichtslos: Praktisch immer am Rasen und gefährdet Leib und Leben.

 


2006 05

Seltsame Annahmen in Beziehungen, letzter Teil




16.05.2006 21:52:01 | 2 Kommentare | 371 Hits | melden!
 Um meine unbrauchbare Serie über allerlei seltsame Dinge in Beziehungen endlich abzuschliessen, hier noch ein Beispiel, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Danach ist es überstanden, atmen Sie auf, öffnen Sie eine Flasche Sekt und dann schtoschen wiie drauf ann..

Ich habe mich vor einiger Zeit mit einer jungen Frau unterhalten und im Verlaufe unseres Gesprächs kamen wir auf das Thema der Beziehungen zu sprechen und was für sie wichtig sei.

Sie beschrieb im Schnelldurchlauf ihre vergangene Beziehung, in welcher sie mit einem Mathematiker zusammen war. Er schien kein übler Kerl gewesen zu sein, war nett zu ihr und zeigte von Zeit zu Zeit etwas Humor, den wahrscheinlich nur Quantenphysiker verstanden, sie selber aber etwas überfordert hatte. Sie beschrieb ihn weiter als trocken vom Charakter her, ein Mensch, der sich sehr um sein Studium gekümmert und seine Nase oft in Bücher gesteckt hatte. Und schon erzählte sie mir den ganzen Abend lang von sich und wie sie als Frau sich sehe und warum sie den Mathematiker aus ihrem Leben geschmissen hatte.

Als wir das Gespräch endlich beendet hatten (doch, es ging mir allmählich auf die Nerven) hatte ich ein Notizbuch voll mit Kritzeleien, aber nicht etwa vollgeschrieben, sondern Blumen, Schneckenhäusern, Blitzen (ein Penis war auch darunter, wenn ich mich recht entsinne) und anderem Krimskrams den ich beiläufig während des Gesprächs in mein Notizbuch zeichnete. Und ich erinnere mich nur noch vage an die hunderttausend Details, die sie schilderte, also lasse ich die 85% weg und nehme für folgenden Abschnitt die relevanten 15%, da sie direkt mit dem Thema zu tun haben, obwohl es mir schon leid um ihr vor zwei Jahren verstorbenes Pferd tut. Wahrscheinlich habe ich es mal gegessen, als es in der Kantine Pferdesteak zu Mittag gab.

Laut ihren Aussagen möchte eine Frau begehrenswert sein. Sie möchte umworben und verhätschelt werden. Sie möchte einen treuen, aufmerksamen, lieben, humorvollen, gebildeten, zärtlichen und doch männlichen Mann ohne Fehl und Tadel und einem hervorragenden Leumund. Er sollte ritterlich sein, ihr jeden Tag Blumen schenken, romantisch und ernsthaft sowie ein guter Familienvater sein und ihr jeden Tag aufs neue beweisen, wie sehr er sie liebt.

Wenn man einer der überaus seltenen Männer ist und obendrein all diese Ansprüche in sich vereint, ist man auf der sicheren Seite. Aber wehe man bemerkt nicht, wenn sie eine neue Frisur hat. Dann sind all diese Tugenden schnell vergessen und man ist nie für sie da, ist unaufmerksam, dumm und böse, Jetzt tat mir der Mathematiker leid, der vielleicht höchstens zwei oder drei dieser Ansprüche gerecht wurde.

Viele Frauen geben sich jedoch bescheiden, wenn man sie auf ein solches Wunschdenken anspricht. Sie sagen dann einfach, dass wenn es klappt, dann klappt es. Und wann klappt es?

Wenn sie einen Mann treffen der treu, aufmerksam, lieb, humorvoll und so weiter ist.

Bei Männern ist das etwas anders. Sie möchten am liebsten eine Frau die folgende drei Persönlichkeiten in sich vereint: Eine Putzfrau für zu Hause, eine Geisha wenn Gäste da sind und eine Prostituierte im Bett, mit der so sich so einiges anstellen lässt.

In beiden Beispielen lässt sich herausfiltern, dass wenn es solche Menschen gibt, sie hochgradig schizophren sein müssen, weil eine Person alleine nur in sehr seltenen Fällen alles in sich vereinen kann.

So kann man es betrachten wie man will: Wir müssen uns halt doch Tag für Tag nur mit dem „Mittelmass“ herumärgern und noch selber gewisse Dinge anpacken. Daraus lässt sich ableiten, dass auch Beziehungen nicht wirklich für alle Ewigkeiten halten, wenn man bedenkt, dass es den perfekten Partner / die perfekte Partnerin nicht gibt.
 
  

Dominanz in zwischenmenschlichen Beziehungen




08.05.2006 19:33:55 | 2 Kommentare | 364 Hits | melden!
  Ein weiterer unbrauchbarer Gedankengang, entstanden in der Tramlinie 11 von der Arbeit nach Hause. Mein Psychiater ist der Ansicht, dass das schon gut kommt, wenn ich nur etwas weniger am Leben wäre. Und wenn sich jemand angegriffen fühlt - cool bleiben, es ist nur eine Theorie umhimmelswillen. Wie auch immer... das habe ich mir überlegt:

Einer der grössten Faktoren von Gedeih und Verderb einer Beziehung stellt die Rolle der Balance zwischen den einzelnen Partnern. Das sind nicht nur materielle Gleichberechtigungen sondern auch psychische. Beschränken wir uns aber zunächst  auf die grossen drei Tänzer im Ballsaal der Dominanz, die da wären:

A)    Macht

B)    Besitz

C)    Revierverhalten

Macht:

Viele von uns führen ein Leben, mit dem wir nicht 100%-ig im Reinen sind. Man wird vom Arbeitgeber, der einen Teil eines Systems bildet, unter Druck gesetzt. Man hat Termine einzuhalten, herumzickende Kolleginnen im Büro oder ganz einfach auf der Gemeinschaftstoilette feststellen müssen, dass der Herr Kollege doch den Längeren hat als man selbst. Also wird die eigene Macht in einem gewissen psychologischen Sinne schon mal auf ein gewisses Minimum reduziert, während der Kollege sicher die besseren Weibchen kriegt als man selbst. Aber machen wir uns nichts draus. In diesem Falle sind es nur ein paar Zentimeter. Nun kann man sich natürlich sagen, dass Sie mit Ihrem Weibchen eigentlich zufrieden sind.

Oder man ist sogar ein Weibchen und möchte seinem Männchen unbedingt zeigen, wie der Hase läuft. Warum auch nicht? Immerhin bringt es einem nicht viel, bis auf das Gefühl der Macht. Und es lullt die eigenen Minderwertigkeitskomplexe in einen sanften Schlaf, während das Gehirn vom eigenen Gedankengift ordentlich durch die Mangel gedreht wird. Menschen, die ein solches Verhalten an den Tag legen, neigen häufig dazu, es abzustreiten und das mit Argumenten, die eben genau auf ein solches Verhalten mehr als deutlich hinweisen.

Wie also kann man dieser Frustration entfliehen? Man möchte mal so richtig loslegen und es jemandem so richtig zeigen. Also benutzt man einen anderen Menschen, um sich selber über ihn zu erheben, selbst dann, wenn man beim Sex unten liegt. Man braucht jemanden, den man als dominierter Mensch dominieren kann. Hierbei zielen sehr viele Leute deutlich auf eine gewisse Art von Selbstbestätigung ab. Aus diesem Grund ergeben sich immer wieder äusserst seltsame Diskussionen, wenn der Partner / die Partnerin im Bett nicht so reagiert wie man es gerne hätte.

Weitere Forschungen bezüglich dieses Themas brachten immer wieder Indizien zu Tage, die darauf deuteten, dass die berühmt-berüchtigte „Inselfrage“ daraus entstanden sein muss. Diese Frage ist ein Killer, ich persönlich rate dazu, sie nicht zu verwenden, es sei denn, sie legen es unbedingt darauf an, dass der Haussegen schief hängt.

Anderen hingegen ist es herzlich egal, wie der Partner / die Partnerin sich im Bett verhält. Hauptsache, man kommt auf seine Kosten und kann Druck ablassen. Jene Leute hätten wahrscheinlich auch keine Hemmungen davor, es mit einem Brett lustig zu treiben. Sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt um sich noch dazu eingehend mit der anderen Person auf der Matratze zu beschäftigen. Wo käme man denn da hin?

Wieder andere beschimpfen sich im Bett mit Kraftausdrücken wie „Ficksau“, „Du Nutte“, „Du Sau“... aus Jugendschutzgründen führe ich die Liste nicht weiter, aber eins sei an dieser Stelle versichert: Sie ist sehr, sehr lang. Würde man diese Begriffe zu jemandem im Bus sagen, würde es Ohrgeigen und / oder Anzeigen bei der örtlichen Polizei regnen.

Ich weiss nicht, ob Tiere sich ebenfalls mit solchen Ausdrücken beschäftigen, aber wahrscheinlich fehlt hier der parapsychologische Ansatz, um sich mit der Psyche des Tiers eingehender zu beschäftigen. Auch wenn Menschen sich teilweise doch sehr animalisch verhalten können.

Besitz:

Einige Menschen realisieren, dass es sich äusserst schwierig gestaltet, etwas wirklich zu besitzen. Es wird vor allem dann noch wesentlich verkompliziert, wenn es sich bei dem begehrten Objekt um eine andere Person handelt.

Menschen weiblichen Geschlechts haben hier eine interessante, fast schon evolutionär-psychologische Reihe von Mechanismen entwickelt. Frauen können mit eigenartigen Fragen und Verhaltensweisen die erstaunlichsten Dinge bewirken. Sie können ihren Partner dermassen verwirren, dass er weder ein noch aus weiss und ihn dann elegant durch die Hintertür in ihren Besitz eingliedern. Als ihr Eigentum sozusagen.

Wenn sie ihren Partner dann so weit haben, dass er sich in dem Sinne nicht mehr wehren kann, formen sie ihn. Meistens so lange, bis er in ihren Augen perfekt und somit nicht mehr interessant ist, da er ja keine süssen Ecken und Kanten mehr hat. Dann bricht die Zeit der Unzufriedenheit an. Aber die Müllabfuhr kommt ja jeden Dienstag vorbei.

Dieses Syndrom tritt oft bei Frauen auf, die sich über sich selbst nicht wirklich im klaren sind. Sie wissen nicht genau was sie wollen. Die Folgen sind meistens fatal, da im Endeffekt nicht viel mehr übrig bleibt, als ein falsches Selbstbild und eine verwirrende Situation. Falls Sie sich als Mann mit einer solchen Situation konfrontiert sehen sollten: Keine Panik. Dieses Verhalten lässt bei Frauen im ungefähr 35-sten Lebensjahr nach.

Diesen Mechanismus hat auch das Militär für sich entdeckt. Erst zerstören und dann neu aufbauen. Und wenn die Leute dann nicht mehr brauchbar sind... man denke hierbei nur an die Vietnam-Veteranen, die teilweise für gar nichts mehr zu gebrauchen sind und wirklich eigenartige Verhaltensweisen an den Tag legen.

Männer möchten oft ihre Geliebte mit Dingen locken. Ein aufgemotzter Wagen, viel Geld und immer schön trendy gekleidet. Viele Männer vergessen dabei, dass trendy sich aus dem Wort „Trend“ ableitet und ein Trend ist nun mal eine Modeerscheinung. Und Modeerscheinungen sind nun mal sehr vergänglich, da lässt sich nicht viel daran ändern. Wenn er seine Frau endlich erobert hat, erachtet er sie sehr schnell als sein persönliches Eigentum, mit dem Stellenwert irgendwo zwischen Auto und seinen Pornoheften oder, falls er keine Pornohefte besitzt, seinem Fernseher und oder Computer.

Wenn ihm seine frisch eroberte Partnerin dann nicht mehr passt, lassen die Anrufe allmählich nach (sie reduzieren sich auf null, um genau zu sein) und er gibt ihr den Laufpass oder es geschieht etwas, vor was die meisten Menschen sich fürchten: Er geht fremd. Nicht, dass nur Männer fremdgehen, keinesfalls. Die Gründe sind nur sehr verschieden gelagert.

Die Forschungen haben ergeben, dass Männer oftmals  mangels Konfliktfähigkeit fremdgehen, da sie selten wirklich gut argumentieren können. Vor allem ergibt es keinen Sinn, logisch zu argumentieren, wenn die Freundin / Frau im dritten Gang losdonnert und jeden Moment die zweihundert Stundenkilometer-Marke knackt. Also wird er unglücklich und sucht sein Glück woanders. Meistens ohne seiner Frau etwas zu sagen, aus Furcht vor den Konsequenzen. Und je nach Zivilstand und privaten Umständen kann ein solcher Fehltritt sehr teuer werden. Und das würde wiederum den Verlust von Besitz bedeuten.

Dann wäre da noch die allgegenwärtige Sexualbereitschaft zu nennen. Männer haben das Gummihals-Syndrom, d. h. dass sie gerne anderen Frauen oder, je nach sexueller Neigung, Männern nachgucken oder sie zumindest beim Vorbeigehen eingehend mustern. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie alleine unterwegs sind oder mit ihrer Partnerin. Wenn es der Partnerin egal ist oder sie es nicht sieht, ist alles in Ordnung. Wenn nicht kann dies zu Diskussionen führen, wo Männer wieder an die Grenzen ihrer Konfliktfähigkeit geführt werden können.

Die männliche Dominanz ist Frauen gegenüber weit weniger ausgeprägt als anderen Männern gegenüber. Zumindest im Europäischen Bereich grösstenteils, in anderen Ländern haben Männer eine sehr starke Rückendeckung durch das Gesetz.

Revierverhalten:

Wenn Sie dem weiblichen Geschlecht angehören, kann es sein, dass bei Ihnen ein eigenartiges Verhaltensmuster auftritt, vor allem dann, wenn Sie gerade ihre Menstruation durchmachen. Dieses eigenartige Verhalten betrifft vor allem Sie und ein anderes weibliches Wesen, dass Sie vielleicht bisher noch nicht gekannt haben, aber unter Umständen eine Kollegin von ihrem Freund / Mann / Bekannten ist. Ihre Blicke mustern mehr oder weniger offen die Fremdem die wir ab jetzt potenzielle Konkurrentin oder Eindringling nennen möchten. Sie sehen die Vorzüge und genauso schnell die Nachteile, welche die Konkurrentin an sich hat und wägen blitzschnell ab: Gefahr – Ja oder nein. Wenn Sie keine Gefahr in der anderen Frau sehen, können Sie sich beruhigt zurücklehnen, denn somit wäre die Sache gegessen.

Wenn Sie jedoch eine Gefahr sehen, handelt es sich in Ihren Augen wahrscheinlich um eine Konkurrentin, die Ihnen Ihren Mann klauen will. Fesseln Sie ihn daher am besten, hängen Sie ihm eine 100 kg  Kugel an die Füsse, sie wird ihn nicht ohne weiteres mitschleppen können, zumindest nicht ohne dass Sie etwas davon merken. Diese Person ist, ohne Ihre Erlaubnis natürlich, in Ihr Revier eingedrungen! Das kann zu Hause, im Restaurant, im Park oder ganz egal wo auch sein, als Frau können Sie Ihr Revier selber abstecken.

Dieses Beispiel verdeutlicht das Revierverhalten von Frauen, welches auf die Urzeit zurückzuführen ist, als die Männer tagelang auf der Jagd waren und die Frauen während dieser Zeit für die Höhle sorgen mussten. Auch wenn der Höhlenkrieger heutzutage neben der Frau auf dem Sofa sitzt und sein Jagdrevier gerade mal bis zum Kühlschrank und aufs Klo reicht.

Das Revierverhalten vom Männchen beschränkt sich in der Regel auf sein Weibchen. Ihm ist es egal, ob sich noch andere Männchen und / oder Weibchen im Haus aufhalten aber wehe, ein anderes Männchen kommt seinem Weibchen zu nahe. Dann steppt der Bär. Wenn wir uns als Beispiel eine Diskothek vor Augen führen, lassen sich gleich mehrere Verhaltensmuster veranschaulichen.

Er ist mit Freunden unterwegs und lernt in einer Diskothek eine Sie kennen, sie tanzen, flirten, knutschen und es steht eigentlich plötzlich das Thema Sex im Raum. Niemand sagt es laut, aber die Sache ist eigentlich klar. Sie signalisiert Durst, er steht auf, lässt sein potenzförderndes Portemonnaie bluten und organisiert zwei köstliche Drinks. Und als er zurückkommt, steht da ein anderes Männchen und unterhält sich mit seiner zukünftigen Sexualpartnerin. Da sein Testosteronspiegel sehr hoch und seine Hemmschwelle zur Gewalt sehr niedrig ist geht er hin und schickt den anderen fort. Dieser weigert sich zu gehen und es kommt zum Streit. Dann schaltet sich das Rudelverhalten ein. Er holt seine Freunde und die Situation kann eigentlich nur noch eskalieren, wenn der andere nicht sofort kleinlaut das Feld räumt. Er hat also sein Revier erfolgreich verteidigt und wenn nicht, entbrennt ein kleinerer Territorialkrieg.

Auch dieses Verhalten gründet in der Urzeit und ist leider ein doch noch recht stark vorhandenes Merkmal in der heutigen modern(d)en Gesellschaft.

 
 
 

Sexualität




06.05.2006 00:01:46 | 3 Kommentare | 376 Hits | melden!
 Ich hatte heute ein sehr interessantes Gespräch mit einem guten Freund von mir und wie es halt einem so geht, hängt man noch eine Weile an den Gesprächsfetzen, die  nach etlichen Bierchen im Denkschwamm hängen geblieben sind, nach. Hier noch ein weiterer Gedanken-Amoklauf, der mir gerade auf dem Heimweg ins Bewusstsein vorgegrungen ist. Er ist natürlich - wie immer - äusserst unvollständig und eignet sich für eine kompetente Aussage ungefähr genau so gut, wie eine Laus als Zugtier, um einen verunglückten Lastwagen aus den Leitplanken einer Autobahn zu bergen.

Eleganterweise kann ich somit an meinem vorherigen Blog-Eintrag anknüpfen und das Thema Sexualität etwas genauer unter die Lupe nehmen. Das Thema an sich finde ich äusserst interessant, aber das liegt für mich vor allem an folgenden Punkten:

A)    Sexualität ist fassbar

B)    Sexualität ist psychologisch nachvollziehbar

C)    Wir sind Menschen

D)    Es geschehen viel mehr seltsame Dinge wegen Sex als aus Liebe

E)    Der Sexualtrieb ist mittlerweile wesentlich ausgeprägter als das Streben nach Liebe

F)     Ich bin ein Mann

Wenn ich mich in meinem Umfeld umhöre, sagen ca. 96.35% der Leute, dass Liebe das wichtigste sei, dass man erreichen könne.

Genauere und vor allem „eindringlichere“ Erforschungen ergaben aber interessanterweise genau das Gegenteil. Aber fangen wir ganz von vorne an.

Es stellt sich die Frage: Warum existiert so etwas wie Sex?

Die einfachste Antwort auf diese Frage lautet: Weil wir uns aufgrund eines Überlebenstriebs fortpflanzen wollen. Das führt mich aber automatisch zu folgender Frage: Warum sprechen wir bei Tieren nicht von „Sex“ sondern von „Paarung“? Tiere wollen ja schliesslich auch überleben. Hier scheitert das ganze Thema am Vokabular und ist, zurückführend auf unsere Sprache, von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Es ist wohl wahr, dass es sich wesentlich besser anhört, wenn Hasen sich paaren als wenn sie Sex miteinander haben. Immerhin ist vielen Meinungen nach der Begriff "Sexualität" nur sogenannt "intelligenten“ Lebewesen vorbehalten. Affen und Delphine haben aber auch keinen Sex sondern paaren sich nur, obgleich sie als intelligente Lebensformen gelten. Sagen wir also, dass für unser Verständnis und im Rahmen dieser Abhandlung die Sexualität eine sehr exklusive Angelegenheit ist.

Anknüpfend an den vorherigen Gedankengang spricht man aber erstaunlicherweise auch bei Menschen von „sich fortpflanzen“. Hier tut sich vor allem ein verbaler Abgrund auf: Ich für meinen Teil habe noch nie Menschen gesehen, die wie meine Zimmerpflanze eine Photosynthese durchführen, grün anlaufen und von Bienen bestäubt werden, sondern höchstens gestochen. Oder stellen Sie sich als Mann vor, Ihrer Liebsten würden die Knospen abfallen - nicht auszudenken was in Ihrer Beziehung plötzlich los wäre.

Aber vielleicht kann man sich das Bräunen der Haut im weitesten Sinne als eine Art von Photosynthese vorstellen, den Pflanzen somit nicht unähnlich. Da uns allen aber vor allem auffällt, dass wir keine Pflanzen sind, entfällt dieser Aspekt - auch wenn einige von Ihnen vielleicht jetzt an einen Stängel denken. Ich habe soeben auch daran gedacht, andernfalls wäre mir dieser Satz nicht im Traum in den Sinn gekommen. Doch für heute genug der Botanik.  

Dieses Thema wird weitergeführt, sobald mir mehr dummes Zeugs in den Sinn gekommen ist, aber für heute reichts mal.

      


2006 04

Liebe




27.04.2006 19:46:04 | 2 Kommentare | 339 Hits | melden!
   Aus aktuellem Anlass habe ich mir heute auf dem Nachhauseweg ein paar unbrauchbare Gedanken zum etwas unbrauchbaren Gebiet der Liebe gemacht. Schön, dass ich nicht selbst davon betroffen bin.

Es gibt kaum eine andere Art von Gefühl, dass Dichter, Gelehrte, Politiker, Diktatoren, Götter und vor allem Menschen, dermassen in seinen Bann zieht. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie schwarz, weiss, gelb, rot, violett oder grün sind und vom Mars stammen. Alle können es haben und alle hatten es schon. Die einen leben es voll aus, die anderen schliessen es ein. Und wieder andere lassen das Gefühl, welches eigentlich tief verschlossen im eigenen inneren Kerker schlummert, mal von Zeit zu Zeit den Gefängnishof auskundschaften und etwas an frischer Luft schnuppern.

Warum zieht dieses Gefühl so viele Menschen in seinen Bann? Meine Antwort ist vergleichsweise simpel und– sie humpelt stärker als Kapitän Ahab ohne Holzbein, weil der alte Moby Dick es soeben zugegeben mangels Zahnstocher gemopst hat. Aber kennen Sie das? Sie gehen so Ihres Weges und jemand drückt Ihnen einen Zettel in die Hand. Der Zettel ist schön bunt und gut designt und macht aufmerksam auf irgend einen Anlass, den man unbedingt besuchen sollte, weil der Anlass ja so unglaublich toll ist.

So ähnlich ist es vielleicht mit der Liebe. Man kann sie gratis empfinden. Sie fällt einem einfach so in den Schoss, mehr oder weniger. Liebe kann sich hierbei als äusserst multifunktional erweisen. Den einen raubt sie den Schlaf, den anderen beschert sie ein überaus gediegenes Ruhekissen. Anderen verleiht sie Flügel, zumindest so lange, bis man auf dem Boden aufschlägt - oder man weich auf einer Matratze landet (auf einer fremden, wenns geht). Liebe an sich ist also kostenlos.

Im „Verliebtsein-Stadium“ (Achtung, dieses Wort wird noch ein paar mal erwähnt, mindestens null mal) ist somit alles möglich. Die einen hören die Engelein singen, ohne irgend eine Form von Prügelei hinter sich gebracht zu haben, wieder andere hören das Grab rufen. Und wieder andere sind zwischen den Engelein und dem Grab hin- und hergerissen. Hier ist also festzuhalten dass die Engelein und das Grab eine fast schon magische Anziehungskraft besitzen. Die anderen hören die Himmelsglocken, aber das sind vielleicht jene Leute die es nicht stört, am Sonntag Morgen in aller Herrgottsfrühe von Kirchenglocken geweckt zu werden. Dies fasse ich einfach mal als den „melodischen Aspekt“ zusammen.

Liebe treibt Menschen manchmal von Wahnsinn zu Irrsinn, das Genie wird ein Trottel, der Trottel wird ein Genie. Oder das Genie wird genialer und der Trottel trotteliger. Man kann es nicht berechnen. Es handelt sich also um etwas unberechenbares.

Liebe an sich ist aber keine Person. Auch wenn Menschen dazu neigen mögen, ihr eine persönliche Note zu verpassen. Liebe ist keine Frau, sie ist auch kein Mann, liebe Frauen, sondern ein Zustand und keinesfalls eine Person. Also etwas unpersönliches. Daher sollte man darauf verzichten, „die“ Liebe zu schreiben.

Fasse ich also all diese einzelnen Faktoren zusammen, definiere ich die Sache also folgendermassen: Liebe ist eine kostenlose, unberechenbare, melodische und unpersönliche Angelegenheit, welche, je nachdem wie man damit umgeht, einen komplett umkrempeln kann oder auch nicht.

     



Ältere Einträge:

22.04.2006 16:41:08: Das "Türsteher"-Syndrom

22.04.2006 13:36:48: Blog
























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